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Fastnacht in der westl. Oberpfalz

 
 

Markt Postbauer-Heng

Heimatpflege


Die Fastnacht in unserer westlichen Oberpfalz

Von manchem alten Brauch in unserer westlichen Oberpfalz läßt sich noch viel verrücktes berichten. Die Faschingszeit begann in den meisten Orten der Oberpfalz mit dem närrischen Donnerstag, er galt als der Weiberfasching, wobei die Männer keinen Zutritt zu den Veranstaltungen haben bzw. hatten. Nach unserem Dialekt wird Fastnacht "Fosnet" genannt. Man spricht auch bei uns vom "Unsinnigen Donnerstag", dem Tag der Winteraustreibeung.

 So hat 1957 der Rektor unserer Schule in Pyrbaum-Seligenporten den alten Brauch vom "Flecklasmoo" mit der Lehrerschaft und Schulkindern als "Matschkera" wieder aufleben lassen und sind durch die Straßen von Pyrbaum gezogen um den Winter auszutreiben.

 Im Faschingsumzug wurde eine riesige Strohpuppe mitgeführt. Sie war als Schneemann dargestellt und ist am Marktplatz unter Schreien und Jubeln verbrannt worden. Damit sollte der Winter ausgetrieben werden.

 In Pyrbaum und Seligenporten sowie in Pavelsbach gab es bereist 1930 das "Bärentreiben". Mit Zieharmonika und "Teufelsgeign" wurden die Bären mit Musik begleitet und von Treibern mit ihren Geißeln ausgetrieben.

 In Rengersricht trieben die "Unsinnigen" mit "Huro"-Rufen ihr Unwesen und haben es mit Holzstecken besonders auf die Mädchen abgesehen. In Pavelsbach wurde "Hura" gerufen!

 In Postbauer und Heng haben am Tag zum Weiberfasching, am Faschingsdonnerstag, in Amtsstuben und Gastwirtschaften und weiteren Unterkünften die "Mannsbilder" darauf acht geben müssen, daß sie keine Faschingsweiberschaft erwischt hat, denn sonst hätten sie ein Stück ihrer Krawatte verloren.

 Am Faschingssamstag haben in allen Orten die vielen Fastnachtsbälle stattgefunden. Zu den traditionellen Einlagen haben die Veranstalter dazu beigetragen, daß "Hanswursten" und Maschkerer, Büttenredner und Tanzgruppen gekommen sind um das "Remidemi" zu belustigen. Manches Faschings- und Sitzungsspektakel wurde auch bei den Seniorengruppen lebensfroh mitgefeiert.

 In Postbauer und Pyrbaum haben sich bereits nach dem Kriege zur Fastnacht "Räte" sowie Prinzengarden gebildet, die bei Kappenabenden ihre Vorträge und Aufmärsche zum Fasching darzubieten hatten.

 Mancherorts finden am "Maschkerer-Sonntag" die Kinderbälle statt, ferner entwickelte sich am Nachmittag meistens das Faschingstreiben zum Gaudium der Bevölkerung.

 Am Fastnachtsmontag artete das tolle Treiben zum "Rasen" aus, daher der Name "Rasenmontag", der später zum "Rosenmontag" wurde. Am Abend wurde in den Gaststätten der Hausball begangen, zum Fröhlichsein wurde getanzt und gesungen.

 Aus alter Tradition sind die Feuerwehr-Rosenmontagsbälle bekannt. Überwiegend sind die Träger dieser Bälle die Ortsfeuerwehren, die sich bereits ab 1900 zu diesen Maskenbällen in den Ortschaften zusammengefunden haben.

 Der Faschingsmontag ist auch als "schamlziger Montag" bekannt. Da werden Küchlein, Krapfen und fette Speisen gereicht, die können am "faulen" Montag verspeist werden und lassen damit den "durstigen" Dienstag gut angehen. Maskierte Gruppen, es waren die Dorfburschen von Köstlbach, zogen am Montag durch den Ort und erbaten sich mit wilden und derben Sprüchen Naturalien, überwiegend Fleisch- und Wurstwaren. Auch Geld für den Dienstag zu einer gemeinsamen Vesper wurde zusammengetragen. Es kam öfter vor, daß die Köstlbacher und Henger im Wechsel im Nachbardorf Fleisch und Würste erbettelten, um es dann gemeinsam bei der Dienstag-Vesper mit einem tüchtigen Umtrung zu verspeisen.

 Die Kinder zogen noch einmal am Dienstag als Maschkerer durch die Orte und zum Kehraus trafen sich Bürgerinnen und Bürger in den Gaststätten zum Tanz und fröhlichen Umtrunk.

 Dieser Abend stellte den Höhepunkt und Abschluß der närrischen Zeit dar. Das Faschingsbegräbnis fand statt in einen Sargtrog, mitten in der Wirtschaftsstube, legte sich ein Narr als "Prinz Karneval" in den Sautrog, mit dem Bier wurde er "abgebrüht", wobei auch die Geldbeutel dabei gewaschen wurden. Mit Trauerrede und Trauermusik wurde dann der Fasching beendet.

 Sechs Musikkapellen unserer zwei Gemeinden ziehen spielend und maskiert durch die Orte, erfreuen mit ihrem Spiel die Bevölkerung und lassen sich Geldspenden für ihren Umtrung bzw. Vereinskasse geben.

 Am Aschermittwoch erhalten die katholischen Gläubigen in der Kirche das "Aschekreuz" an die Stirn gezeichnet.

 Nachdem der Geldbeutel durch die Entnahme des Geldes im Fasching stark gelitten hat, stellt sich bei manchem Faschingsgenossen starker "Katzenjammer" ein. So hat man die Geldbeutel sauber gereinigt und ausgewaschen, damit wieder besseres Geld aufgenommen werden kann.

 Nach dem Geldbeutelreinigen geht man wieder in die Wirtshäuser zum traditionellen "Bratheringessen" bzw. der "Bismarkhering-Vesper" oder dem Essen von Backsteinkäse mit viel Zwiebeln. In Schwarzach werden dazu die blassen "Weißbrezen" oder "Fasnetsbrezen" gereicht. "Prinz Karneval" kann somit eingegraben weden und damit geht es nach dem Aschermittwoch in die Fastenzeit.

 Während des Faschings sind im Veranstaltungskalender der zwei Gemeinden insgesamt an Bällen, Kinderfasching, Faschingsabend, Umzüge, Kehraus, Kapenabenden usw. im Januar und Februar aufgezeichnet: Markt Pyrbaum 15, Großgemeinde Postbauer-Heng 16. Die hervorzuhebenden Faschingsbräuche sind und waren:

 Ab 1957 der "Flecklesmoo" Pyrbaum, die "Huro"-Maschkerer von Rengersricht, die "Hura-Treiber" aus Seligenporten, die Bärentreiber aus Pavelsbach, der Vogelhändler mit "Krackse" aus Köstlbach mit Tauben im Korb, die Pfisterer aus Schwarzach mit den blassen "Fosnetsbrezeln", Moritaten-Vorträge aus Postbauer von dem Elferrat nach dem Krieg, die Henger Feuerwehr-Durstlöscher mit ihren derben Sprüchen und die Pölloth-Sisters aus Hembach mit den gesungenen Geschehnissen.

 Mit dem Faschingsbrauchtum ist es wie mit anderen Traditionen, sie geraten einmal in Vergessenheit und erwachen urplötzlich wieder zum Leben.

Möge es in den Gemeinden so kommen, daß etliches Brauchtum wieder auflebt.

Ihr Heimatpfleger Ferdinand List
 
     



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