Mit einer würdevollen Feierstunde ist in Postbauer-Heng der neue Friedhof „Garten der Erinnerung und der Stille“ eingeweiht worden. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus dem Ort, politische Vertreter der umliegenden Gemeinden und die Planer und Erbauer dieses besonderen, parkähnlichen Naturfriedhofs versammelten sich zur ökumenischen Einweihung. Im Dialog stellten Bürgermeister Horst Kratzer und der Unternehmer Julian Pirzer aus Neumarkt ihr Projekt vor.
Besonderer Ort des Gedenkens

Natur, Kunst und Landschaftsarchitektur greifen harmonisch ineinander: sanfte Wege, Sitzgelegenheiten aus Naturmaterialien und liebevoll ausgewählte Pflanzen schaffen eine Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt. Pfarrerin Beate Krauß und Pfarrer Markus Fiedler beglückwünschten die Gemeinde zu diesem besonderen Ort des Gedenkens, der Achtsamkeit, der Hoffnung und des respektvollen Umgangs mit Vergangenem, der die Menschen miteinander verbindet. Besonders freute Pfarrer Fiedler, dass viele von Menschen geschaffene „Ordnungskriterien“ deutlich gelockert wurden.
Julian Pirzer und die Architektin Ulrike Mrachacz gaben einen Einblick in die Entstehung und die Architektur dieses Friedhofs, der ohne Übertreibung als wegweisend bezeichnet werden kann: Weg von den oftmals sterilen, großen und aufwendig zu pflegenden Familiengräbern und hin zu kleineren Formen der Urnenbeisetzung mit ihren unterschiedlichsten Formen. Nicht in geradlinige, rechteckige und aufgereihte Gräber eingebunden, sondern in einer neuartigen Vielfalt – eingebettet in die Natur mit ihren vielfältigen Facetten. Die Menschen kommen hierher, besuchen und sprechen mit ihren Angehörigen, außerhalb jeglichen beklemmenden Gefühls.
Sie spüren die Sonne, den Regen unter einem schützenden Dach und hören das Plätschern eines Baches. Von der Struktur der Anlage her kann es durchaus auch ein Ort der Gemeinschaft werden. Besonders dankte Bürgermeister Kratzer der Familie Pirzer für ihren unternehmerischen Mut und Weitblick, der Gemeinde für ihren Mut, auch einmal Neues zu wagen. Dabei griff er auf Dietrich Bonhoeffer zurück: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“
Architektin Ulrike Mrachacz beschrieb die Entstehung und Idee des Urnenparks in Postbauer-Heng, der für die Landschaftsarchitektin ein persönliches Herzensprojekt ist. Ziel war es, einen Ort zu gestalten, der sich deutlich von klassischen Friedhöfen unterscheidet: Statt einer rein stillen Gedenkstätte sollte ein offener, naturnaher Park entstehen, in dem Menschen nicht nur trauern, sondern sich auch gerne aufhalten, begegnen und Zeit miteinander verbringen können – etwa bei Gesprächen, Spaziergängen oder sogar Picknicks. Auch Kinder sind ausdrücklich willkommen, sodass Leben und Erinnerung miteinander verbunden werden.
Die Umsetzung dieser Idee erfolgte schrittweise und in enger Zusammenarbeit mit dem Initiator, der viele kreative Elemente einbrachte, wie Wasserflächen, Aufenthaltsbereiche oder Angebote für Kinder. Gleichzeitig nimmt der Park in Bayern eine besondere Stellung ein, da es nur wenige vergleichbare Anlagen für Urnenbestattungen in einer so landschaftlich gestalteten Form gibt. Ein zentraler Aspekt ist die Nachhaltigkeit: Es wurden umweltfreundliche Materialien wie Naturstein und Holz verwendet, wasserdurchlässige Wege angelegt und Strukturen geschaffen, die Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten. Auch die Bepflanzung fördert die Biodiversität und sorgt dafür, dass der Park das ganze Jahr über lebendig wirkt.

Gestalterisch bietet der Park verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Funktionen: Der Pavillon dient als Ort der Verabschiedung und öffnet sich durch eine Glaskuppel symbolisch zum Himmel. Ein geschützter Erinnerungsraum ermöglicht persönliche Trauerrituale wie das Schreiben oder Verbrennen von Botschaften. Darüber hinaus gibt es viele ruhige Rückzugsorte sowie abwechslungsreiche Bestattungsbereiche, etwa unter Bäumen, in Wiesen, entlang von Mauern oder in einem Labyrinth.
Die Grabstätten sind bewusst schlicht gehalten und meist nicht einzeln abgegrenzt, sondern in die Landschaft integriert. Für das Gedenken stehen verschiedene Formen der Namenskennzeichnung zur Verfügung, die sich harmonisch in das Gesamtbild einfügen. Die Pflege übernimmt größtenteils der Betreiber, um den Parkcharakter zu erhalten, während in bestimmten Bereichen auch individuelle Gestaltung möglich ist.
Insgesamt entstand innerhalb weniger Monate ein vielfältiger Landschaftspark, der sich mit den Jahreszeiten verändert. Der Urnenpark soll ein Ort der Ruhe, des Erinnerns und zugleich des Lebens sein – ein Raum, der Trauer in eine natürliche und gemeinschaftliche Umgebung einbettet.
Weitere Informationen finden Sie online unter: https://www.garten-der-erinnerung.com/
