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Besuch des Christkinds

 
 

Markt Postbauer-Heng

Heimatpflege


Der Besuch des Christkindl

In vielen Orten der westlichen Oberpfalz, von Töging bis Neumarkt, war es bis vor wenigen Jahren noch der Brauch, dass das Christkind am Heiligen Abend persönlich kam, ähnlich wie beim Nikolaus. Ein Mädchen aus dem Dorf, etwa 15, 16 Jahre alt, wurde ins Haus bestellt und erschien als Christkind verkleidet, um sich von den Kindern etwas vorbeten oder vorsingen zu lassen und anschließend bei der  Bescherung anwesend zu sein. Die Entlohnung des Mädchens waren Lebkuchen oder Bratwürste aber kein Geld.

Ich erinnere mich noch gut an solch einen Besuch des Christkindls, den ich als Kriegsurlauber im  Jahre 1939 in meiner eigenen Familie im Ort Stöckelsberg bei Lauterhofen erlebt habe: So gegen 6 Uhr abends waren wir alle fertig, d. h. frisch gebadet, gekämmt, schön angezogen und richtig gespannt auf die kommenden Ereignisse. Bald darauf läutete es. Mein Frau nahm sich des fremden Gastes an. – Doch gleich darauf klingelte und schellte es silberhell und ohne aufzuhören aus dem Wohnzimmer.

Das war das Zeichen! Doch das spärliche Licht einer einzigen Kerze im Wohnzimmer dämmte unsere jähe Freude etwas zurück. Der Christbaum: groß, dunkel und geheimnisvoll, davor eine weiße Gestalt mit verhülltem Gesicht, die uns freundlich näherbat. Zaghaft  zuerst, dann aber noch mutiger erklangen die Weihnachtslieder: Kommet ihr Hirten – Es ist ein Ros entsprungen – Vom Himmel hoch, da komm ich her! Und jetzt erstrahlte alles in überirdischem Glanz, denn meine Frau hatte unmerklich die Kerzen am Baum angezündet.

Jetzt sahen wir das lange, weiße Spitzenkleid des Christkindes, den Schleier, der das Gesicht verhüllte, den grünen Kranz auf seinem Kopf. Doch die einladende Handbewegung des freundlichen Wesens ließ unsere Augen hinabgleiten zu den noch verdeckten Geschenken. Das Christkind zog behutsam die Decke weg, und während die Kinder selig ihren Bauernhof mit den vielen Pferden, Schafen und Hühnern bestaunten, ging es unmerklich aus dem Zimmer.

Gustav Fuchs Aus dem Buch „Oberpfälzer Weihnacht“ von Erika und Adolf J. Eichenseer, dem ehemaligen Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz
 
     



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