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345 Jahre Schule |
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Markt Postbauer-Heng
Heimatpflege
Aus der Chronik unserer GemeindeNachdem leider unser langjähriger Heimatpfleger Ferdinand List am 28. Mai 2003 verstorben ist, haben wir zur Zeit keine qualifizierte Person, die die Chronik unserer Gemeinde weiter pflegt. Dankenswerterweise hat sich unser Gemeindebürger Prof. Dr.-Ing. Helmut Bode, wohnhaft Am Weizenfeld 11 bereit erklärt, in Abständen immer wieder gewisse geschichtliche und wissenschaftlich erarbeitete Beiträge für uns zu schreiben. In diesem Mitteilungsblatt berichtet er über das Schulwesen in unserer Gemeinde.
343 Jahre Schule in Postbauer-Heng
- von seinen Anfängen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts -Die erste Schule in der heutigen Gemeinde Postbauer-Heng wurde vermutlich in der Zeit zwischen 1629 und 1661 eingerichtet. In einem Visitationsbericht der Schule in Pölling findet sich 1629 die Bemerkung, dass in Heng keine Schule bestünde. [1] Nach den Unterlagen des Staatsarchiv Amberg [2] war zwischen 1661 und 1675 Simon Wasl (Waisei), von Beruf Zimmermann, Mesner und Schullehrer in Pavelsbach. Seine Führung scheint aber nicht einwandfrei gewesen zu sein, da ihn 1675 der Hofkastner zu Neumarkt des Dienstes enthob. Da kaum anzunehmen ist, dass die durch den 30jährigen Krieg arg gebeutelten Landgemeinden an die Einrichtung einer Schule gedacht haben, wird wohl dieser Gedanke erst nach dem Westfälischem Frieden von 1648 aufgekommen sein. Der Gründungszeitraum kann also zwischen 1650 und 1661 angenommen werden. 1688 diente das alte Pfarrhaus von Pavelsbach als Schulhaus für 30 - 40 Knaben. Der nicht namentlich genannte Lehrer galt zwar als guter und rechtschaffener Mann, war jedoch als ungebildeter und einfältiger Mensch für seinen Dienst wohl wenig geeignet. [3] Die erste Erwähnung einer Schule in Heng fällt in das Jahr 1688, wo der Kooperator - Titel eines katholischen Geistlichen - von Möning den Unterricht versah. Im Winter waren es ungefähr 25 Kinder, die den Unterricht besuchten und als fähig und lernbegierig bezeichnet wurden. Die Besoldung des Lehrers betrug alle Quartal 15 Kreuzer Schulgeld für jedes Kind, von der Gemeinde 6 Gulden und Läutgarben. Im Jahre 1706 wird für Heng ein namentlich nicht genannter Lehrer erwähnt, der wie seine Kollegen in Pölling das ehrsame Schneiderhandwerk ausübte! Das Salbuch des Pflegamts Postbauer für das Jahr 1730 führt zu Heng eine Kirche und ein Schulhaus auf. Das Schulhaus unterhielt 1739 die Gemeinde; der Lehrer erfreute sich eines guten Rufes, übte neben seiner Lehrtätigkeit den Beruf eines Webers aus und hatte im Winter 40-50 Schüler. Ebenfalls ein Handwerker war auch der Lehrer im Jahre 1739. Wohl seit 1758 war der Schneidermeister Ulrich Schweißer als Lehrer in Pavelsbach tätig. Dass sich die handwerkliche Nebentätigkeit nicht immer vorteilhaft auf den Schulbetrieb auswirkte, zeigt das Beispiel des Mesners und Schullehrers Johann Mahl aus Kemnath bei Pölling, den die Regierung (1756) auf Vorschlag des Pfarrers angestellt hatte. Von Beruf Metzger, war Johann Mahl im Winter sehr in Anspruch genommen und mußte sich im Unterricht oft von Adstanten - Hilfslehrer -, die von der Regierung geprüft waren, vertreten lassen.
Eine Schule in Postbauer muss entweder Ende des 17. bzw. Anfang des 18. Jahrhunderts entstanden sein, denn am 17. Januar 1726 erinnert der Deutschordenskomthur zu Ellingen den Pfleger Sartorius in Postbauer an eine Verfügung vom 11. 8. 1718, dass die Eltern ihre Kinder zur Schule schicken sollten. Bezüglich einer Bestrafung der Schulversäumnisse überließ er es der Bescheidenheit des Pflegers und jedesmaligen Betrachtung der sich ergebenden Umstände. „Zur Zeit, in welcher die Kinder ohne Versäumnis von Arbeit vom Hause entbehrlich sind, von Martini oder l. Adventsonntag bis Ostern vorzuschreiben, nicht aber sogleich auf jedesmaliges Ausbleiben der Kinder die Eltern zur Strafe zu ziehen, sondern je nach dem die Kälte oder andere Witterung sich erzeigt, ob die Entlegenheit der Schule nahe oder weit, die Kinder klein oder groß, die Eltern ihrer zu Hause bedürftig oder unvermögend, die Schulmeister zu vergnügen, da ist von Amtswegen zu konnivieren, hingegen die in der Tat Nachlässigen eine proportionierte Strafe nach Gestalt der öfteren oder wenigeren Unterbleibung unbedenklich vorzunehmen.“ [4] Die Schule scheint jedoch Ende des 18. Jahrhunderts eingegangen zu sein. Am 10. März 1815 richtet die Gemeinde Postbauer an das königliche Generalkommissariat des Oberdonaukreises ein Gesuch um Errichtung einer eigenen Schule in Postbauer und erklärt sich bereit, neben der Besoldung des Lehrers auch ein taugliches Lokal für die Schulwohnung herzustellen und ein ganz neues Schulhaus zu bauen. [5] Aus den Unterlagen der Gemeinde Heng ist ein Legat - Vermächtnis - der Barbara Kratzer aus dem Jahre 1817 zum Aufbau des Schulhauses zu Heng bekannt. Neben diesem Legat sind eine Vielzahl von Eintragungen der Gemeinde festgehalten, die Ausdruck darüber geben, dass die vielfältigsten Probleme - Schulholz, Schulgarten, Schulhausbau, Schulgeld für Bedürftige, Beschimpfung wegen einer Schulstrafe u.s.w. – die eine Schule betreffen, ein immer wiederkehrendes Thema der Gemeindesitzungen waren. Bis 1825 unterrichtete Lehrer Stich, den 1825 Lehrer Josef Sturm ablöste († 28.2.1857), in der Schule von Heng. Wie schon seine Vorgänger versah er neben dem Schul- auch den Mesnerdienst, sowie den Chordienst in Heng und Postbauer. 1834 besuchten 112 Schüler seinen Unterricht. Infolge Auswanderung nach Nordamerika waren 24 Häuser in den Besitz von Protestanten gekommen, deren 30 Kinder die protestantische Schule in Oberferrieden besuchten. Dies wiederum verringerte das Diensteinkommen des Lehrer Sturm um mehr als 66 Gulden, wodurch er in eine schwierige soziale Lage kam. 1848 beklagte sich Lehrer Sturm, dass ihm der Gütler Christoph Zollner von Köstlbach die geschuldete Läutgarbe verweigert habe und fährt fort: „Uralt und durch den ältesten Mann der Gemeinde kann nachgewiesen werden, daß der Schullehrer als Mesner von Heng das Recht hat, wo der Pflug ausgeht eine Garbe zu fordern und durch gänzliche Verarmung der Felder wieder aufhört. [6] Kränklich, und in „beschränkten pecuniären Verhältnissen“ führte Lehrer Sturm kein beneidenswertes Dasein in seinem 1829 erbauten Schulhaus, dessen Parterre-Räume alle feucht waren. Als Dienstgründe standen ihm ein Schulgarten (0,008 ha), Äcker (1,704 ha). Wiesen (1,022 ha) und 0,092 ha Waldung zur Verfügung. [7] 1833 zählt die Werktagsschule in Pavelsbach 32, die Sonn- und Feiertagsschule 36 Schüler. Das Gesamteinkommen des Lehrers beträgt zu dieser Zeit 110 Gulden 26 Kreuzer, das sich aus Beträgen der Schulkasse, dem Schulgeld sowie dem Kirchen- und Gemeindeschreiberdienst zusammensetzte. Dazu kam noch aus dem Kreisschulfonds ein Gesamtbetrag von 89 Gulden 34 Kreuzern. Das vorhandene alte Schulhaus entsprach seinem Zweck wohl schon lange nicht mehr, so daß sich 1871 die Kirchenverwaltungsratsmitglieder der Filialgemeinde Pavelsbach zu einem Neubau entschließen mußten. 1882 wurde das alte Gebäude verkauft. Nach der Schulstatistik von 1886 zählte Postbauer 247 Einwohner. Die 1885 neu errichtete (evangelische) Schule besuchten 54 Werktags- und 18 Feiertagsschüler. [8] Ein Schulhaus gab es noch nicht, Verweser Georg Strobel unterrichtete im Neubau des Gasthofs Götz, wo zwei Räume als Schulzimmer und Lehrerwohnung gemietet waren. Die Verhältnisse waren alles andere als ideal: 1888/89 heißt es in einem Bericht des Bezirksamtes: „Ein Schulhaus ist nicht vorhanden. Das Lehrzimmer und das Zimmer des Lehrers befindet sich in einem Privathause über einer Pferdestallung. Der Boden des Schulzimmers ist sehr schlecht und bedarf einer gründlichen Reparatur.“ [9] Bei der Errichtung der Schulverweserstelle umfaßte der Schulsprengel neben Postbauer die Orte Buch und Dillberg, während Kemnath, das nach Oberferrieden eingeschult war, 1886 noch Streitobjekt zwischen dem genannten Ort und Postbauer war. [10] Der erste Lehrer, der auch das neue Schulhaus bewohnte, war Erhard Fraas (1895 -1898). [11] Wir können also in unserer Gemeinde auf mindestens 343 Jahre Schulausbildung zurückblicken.
Literatur Ausgangsmaterial sind: Batzl, Heribert, Chronik der Gemeinde Postbauer-Heng Amberg: Carl Mayr, 1977 Archivmaterial der Gemeinde Postbauer-Heng, 1817 bis 1900. Im Artikel zitierte Literatur nach Batzl: 1. Buchner, Franz X„ S. 485, Schulgeschichte des Bistums Eichstättvom Mittelalter bis 1803, Kallmünz, 1956 2. Staatsarchiv Amberg Reg. K. d. J. Abgabe 1949 Nr. 11 357 3. Buchner, Franz X., S. 380 4. Hollweck, Johann Nep., S. 375, Geschichte des Volksschulwesens in der Oberpfalz,Regensburg, 1895 5. Buchner, Franz X., S. 487 6. Staatsarchiv Amberg Bh Neumarkt Nr. 2430 7. Statistik der deutschen Volksschule 8. Buchner, Franz X., S. 380 9. Staatsarchiv Amberg Ba Neumarkt Nr. 2518 10. Schulstatistik S. 242 11. Staatsarchiv Amberg Ba Neumarkt Nr. 2518, Pfarrbeschreibung Oberferrieden S. 71 |
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| Veranstaltungen | | Februar 2012 |
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