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Einrichtung einer Winterschule 1869 |
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Markt Postbauer-Heng
Heimatpflege
Die Errichtung einer landwirtschaftlichen Winterschule in Amberg 1869
von Herrn Dr. Helmut Bode
Im Jahre 1869 wurde in Amberg einen landwirtschaftliche Winterschule gegründet. Die Schule diente dazu, die Söhne der Landwirte1 aus dem landwirtschaftlichen Bezirk Amberg und den angrenzenden Bezirken und soweit die Mittel reichten, aus der Oberpfalz überhaupt, weiter zu bilden. Die Ausbildung sollte an die bereits erlangten landwirtschaftlichen praktischen Kenntnisse anschließen und die Schüler auf möglichst populäre Weise mit der Landwirtschaftslehre und ihren Hilfsfächern vertraut machen. Als Grundlage dafür war eine Auffrischung in den Elementarkenntnissen vorgesehen. Ziel dieser Ausbildung war letztlich den Einzug des landwirtschaftlichen Fortschritts in die bäuerlichen Betriebe zu unterstützen. Die aufzunehmenden Landwirtssöhne mussten einen unbescholtenen Ruf haben und zwischen 13 und 16 Jahren alt sein. Unterrichtszeit war von Mitte November bis Ende Februar jeden Jahres. Der Lehrplan umfasste:
1. Religionsunterricht und Christenlehre, wöchentlich 2 Stunden, 2. Rechnen mit landwirtschaftlicher Buchführung, wöchentlich 6 Stunden, 3. Deutsche Sprache und Übung in schriftlichen Aufsätzen, wöchentlich 6 Stunden, 4. landwirtschaftliche Naturkunde, Bodenkunde, Pflanzenbau, wöchentlich 6 Stunden, 5. Obstbaumzucht, wöchentlich 1 Stunde, 6. Tierzucht und tierärztliche Nothilfe, wöchentlich 2 Stunden, 7. landwirtschaftliche Gesetze, wöchentlich 1 Stunde, 8. Zeichnen, insbesondere Bau- und Pflanzenzeichnen, wöchentlich 4 Stunden, 9. praktisches Feldmessen und Nivellieren, wöchentlich 2 Stunden, also insgesamt 30 Stunden in der Woche.
Der Unterricht wurde von 8.00 bis 11.00 und 14.00 bis 16.00 abgehalten. Die übrige verfügbare Zeit war für Repetitionen2 und Selbstübungen vorgesehen. Veranschaulicht wurde der Unterricht durch Zeichnungen, Modelle, Sammlungen von Pfl anzen, Erd- und Steinarten, Skeletten und mittels chemischer und physikalischer Experimente.
Am Schluss der Winterschule fand eine öffentliche Prüfung statt. Den Schülern wurden über ihre erlangten Kenntnisse und über das "gepflogene" Benehmen Zeugnisse erteilt.
Strafen bei Verstößen gab es natürlich auch, diese waren: Anmahnung; Rüge; Androhung der Entlassung und Entlassung, - welche übrigens in gröberen Vergehensfällen auch sofort verfügt werden - konnte. Der Unterricht war für jeden Schüler unentgeltlich, aber für Verpflegung, Kost und Logis, sowie für Schreibmaterial und sonstige Bedürfnisse hatte er selber zu sorgen.
Diese Winterschule war sicherlich ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung bei der Führung landwirtschaftlicher Betriebe und trug wohl somit auch zu Ertragssteigerung und Verbesserung der Lebensbedingungen bei. Ob Vorfahren unserer heutigen Gemeindebürger bzw. Gemeindebürgerinnen wohl Schüler dieser Winterschule waren?
Quelle: Neumarkter Wochenblatt Nr. 84, Mittwoch den 20. Oktober 1869
1 Zu dieser Zeit war es noch unvorstellbar, dass auch die Töchter in der Lage sind, sich das entsprechende landwirtschaftliche Wissen anzueignen und es erfolgreich anzuwenden! 2 Wiederholung des vermittelten Wissens
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