Markt Postbauer-Heng
Heimatpflege
Eine Betrachtung!
Adventskranz und Christbaum in der OberpfalzWer weiß schon noch, dass Adventskranz und Christbaum oder Christkindlbaum, wie er in der nördlichen Oberpfalz heißt, auf den uralten mittwinterlichen Brauch zurückgehen, wintergrüne Zweige an Weihnachten, dem früheren Neujahrestag, in der Stube aufzuhängen, um auf diese Weise Gesundheit, Wachstum und Fruchtbarkeit in Haus, Stall, und Feld zu sichern, andererseits den bösen Geistern zu wehren? Dem gleichen unheilvertreibenden Zweck dienten auch brennende Lichter und Räucherungen, die in den Raunächten vorgenommen wurden und denen wir heute in Form von Kerzen und Scheinwerfern begegnen. Aus der Verschmelzung mit dem Wintergrün haben sich schließlich der Adventskranz und der Weihnachtsbaum entwickelt.
Beim relativ jungen Adventskranz treten zum Wintergrün und Licht zwei weitere Elemente hinzu: der Kranz als eine weltweit verbreitete kultische und weltliche Schmuckform und das Zählen von Tagen und Wochen, das ja auch im Adventskalender für Kinder noch weiterlebt. Die Vorbereitungszeit des Advents symbolhaft mit einem Kranz und vier Kerzen darzustellen, die nacheinander an jedem Adventssonntag entzündet werden, lag daher nahe.
Erst seit dem Ersten Weltkrieg hat sich der Adventskranz, vom protestantischen Norden Deutschlands kommend, auch in unserem Raum eingebürgert. Der Schule und Kirche, die in der letzten Zeit den Kranz sogar weiht, verdankt dieser neue Brauch seine rasche Verbreitung.
Heute so gut wie bei allen christlichen Familien in der ganzen Welt heimisch, stellt der Christbaum einen recht jungen Brauch dar. Erst um die Jahrhundertwende wird er in der Oberpfalz ein überall beliebter Brauch, zuerst bei den Protestanten. Noch 1863 berichtete Eduard Fentsch, dass in den protestantischen Bezirken ein mit Lebkuchen und Spielzeug behangenes und mit brennenden Wachslichterchen bestecktes Tannenbäumlein am Vorabend des Weihnachtsfestes aufgestellt werde. Das Plattland der katholischen Oberpfalz jedoch kenne bis dahin diese Sitte nicht. Hier werde nach wie der Barbarabaum, ein am Tage der heiligen Barbara abgeschnittenes Weichsel- und Kastanienreis, das im Wasser aufbewahrt und zur Blüte gebracht werde, an diesem Abende mit etlichen Zuckerzeug und „Leckerln“ behangen, „den Kindern zu Nutz und Last“. Zusammengestellt von Heimatpfleger Ferdinand List aus dem Weihnachtsbuch „Oberpfälzer Weihnacht“ von Dr. Adolf Eichenseer
(ehemaliger Bezirksheimatpfleger) |